Der Irrglaube – warum doch nicht jeder 10 Minuten am Tag für Bewegung übrighat.

Wir haben 1440 Minuten am Tag. Da müssten doch 10 locker drin sein.

Komme ich direkt mal zum Punkt. Nein, nicht jeder hat jeden Tag Zeit für Extra-Bewegung. Auch nicht 10 Minuten. Bzw. nicht jeder kann sich diese 10 Minuten so einfach nehmen, wie es postuliert wird. Dann komme ich direkt zum zweiten Punkt. Es ist aber keine Ausrede gar nichts zu machen. Ihr wisst ja, Zeit hat man nicht, man nimmt Sie sich für wichtiges. Und was gibt es Wichtigeres als du selbst?

In diesem Artikel möchte ich ein paar Gedanken über die Aussage „10 Minuten am Tag für Bewegung hat jeder“ niederschreiben. Und vor allem, warum diese Aussage so nicht stimmt.

Überblick:

  • Für wen diese Aussage doch passen kann
  • Wer mit 10 Minuten am Tag Schwierigkeiten bekommt
  • Mein Problem mit dieser Aussage 10 Minuten
    • 10 Minuten für Bewegung, und was noch?
    • Warum diese 10 Minuten zwar toll klingen, aber uns in mentalen Stress versetzt
    • Betreuung für tägl. 10 Min schwieriger abzudecken
  • Welche mögliche Lösung für dich passen könnte.
    • 1–3-mal/Woche dafür länger
    • Mindset
    • 10 Minuten – halt nicht jeden Tag
  • Fazit

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einer Kollegin. Sie hat längere Zeit viele Gesundheitsveranstaltungen in Betrieben durchgeführt. Und auch sie hat diese „10 Minuten hat jeder – Einstellung“ verbreitet. Das war aus Ihrer Sicht damals auch logisch und klar. Sie war jung, hatte keine Familie (also eigene Kinder und so), Ihr Leben bestand genau aus diesem Verständnis. Dann kamen Corona und die Lockdowns. Es gab keine Gesundheitsveranstaltungen mehr. Also hat Sie eine andere Arbeit angenommen. Nochmal angefangen zu studieren. Und plötzlich war die Zeit, die sie zur Verfügung hatte, ganz anders verteilt. Ihr wurde bewusst, wie schwierig es sein kann diese Zeit zu nehmen. Zumindest täglich.

Ja, es klingt so einfach. Wir haben 1440 Minuten am Tag. Da müssten doch 10 locker drin sein. Aber ist das immer so?

Für wen ist diese Aussage passend, und trotz viel Arbeit nur eine Frage der Priorität

Wenn du jung bist, keine Familie hast, ein geregeltes Berufsleben, stellt das eigentlich kein Problem dar. Sogar noch viel besser. Du kannst die Gewohnheiten und Erfahrungen aneignen, in denen es dir in anderen Zeiten leichter fällt, diese 10 Minuten zu nehmen. Oder natürlich mehr.

Wenn du keine Kinder hast, oder diese so groß sind, dass keine Betreuung mehr notwendig ist. Du sie problemlos allein lassen kannst. Sie Selbstständig irgendwo hinkommen. Auch dann stellen diese 10 Minuten kein Problem dar. Also sollten.

Junge Eltern – Für diese Personengruppe wird es schwierig

Aber mit der Familiengründung – ab dem ersten Kind wird vielen anders. Gerade in den ersten Jahren benötigt dieses Kind viel Aufmerksamkeit. Man kann es nicht allein lassen. Jetzt sollen aber beide Partner die Möglichkeit bekommen sich seine 10 Minuten zu nehmen. Man kann es nicht mehr komplett frei bestimmt, sondern muss abgestimmt werden. Mit dem Partner, mit der Arbeitszeit… ach ja und den Haushalt nicht zu vergessen. Oft bleibt es nicht bei einem Kind, sondern dann werden 2 oder sogar nicht mehr. Das bedeutet, die Jahre in denen die Betreuungszeit benötigt wird, werden immer mehr und länger.

Die Kinder werden größer, und die Zeit geht dann für Fahrten zum Sportverein, Musikunterricht & Co. drauf. Hinbringen, abholen, zwischendrin „was Sinnvolles erledigen“. Und immer dran denken, gearbeitet wird nebenher ja auch noch.

Spoiler Alarm: Irgendwann ändert sich das auch. Und dann sind die Kapazitäten wieder anders verteilt. Gehen wir mal von 5 Jahren aus, in denen Kinder intensiver betreut werden. Wenn man dann 2 Kinder hat, werden aus den ersten 5 Jahren ganz schnell 7, 10 oder sogar 15 Jahre (je nach Altersunterschied der Kinder). Aber 10-15 Jahre sind schon eine echt lange Zeit.  Eine so lange Zeit in der sich „bewegungsärmere“ Gewohnheiten stark ausbilden können. Selbstverständlich kann mich sich „Hilfe“ holen. Die Großeltern passen mal auf die Kinder auf. Aber jeden Tag?

Mein Problem mit der Aussage: 10 Minuten am Tag für Sport, die hat jeder…

10   Minuten für Bewegung, und was noch?

 

10 Minuten für sich. Laufen, spazieren, Fahrradfahren, Yoga-Übungen, Kräftigung, Übungen mit dem Thera-Band, Dehnen… Herrlich! Jeden Tag nur etwas für sich.

Ach ja, und dann noch 10 Minuten Meditation, Achtsamkeit, Entspannung, gemütlich einen Kaffee trinken. Die Füße hochlegen – me Time, wie es heute heißt.

Und natürlich 10 Minuten zum entspannten Essen. Also exklusive Vorbereiten versteht sich. Ihr seht, und ruck zuck ist man bei 30 Min/Tag. Und hier ist die vor- und Nachbereitung (umziehen z.B.) nicht einberechnet.

Versteht mich bitte nicht falsch, all diese Punkte sind für unsere Gesundheit superwichtig. Und gehören in Einklang. Und jeder dieser Punkte hat seine große Berechtigung fest in den Alltag eingebaut zu werden. Ich freue mich sehr, wenn man das hinbekommt.

Aber wann, und wo, und mit welcher Energie? Den eins ist klar, immer wenn wir etwas neu machen möchten, kostet die Energie.

Wann ist die Zeit für diese 10 Minuten?

Wie ist so die Verstellung morgens extra früher Aufstehen oder abends um 22 Uhr für 10 Minuten Liegestütze, Kniebeuge und Sit-Ups zu machen? Oder noch schnell für 10 Minuten um den Block laufen? Durchaus sinnvolle Übungen. Vermutlich wirst du jetzt nicht vor Begeisterung in die Luft springen.

Wo soll ich die Bewegung machen? Ach, komm doch, so zwischendurch. Ja, wie gesagt, man kann halt nicht so einfach zwischendurch mal raus. Und wenn man mal für 10 Minuten mittags die Musik laut macht, um eine Runde Tabata zu machen, dann kommen die Kinder ruck zuck angerannt und schmeißen sich bei den Liegestützen auf den Rücken.

Morgens Kinder richten, ab zur Arbeit, nach der Arbeit direkt Kinder holen, nebenher noch Haushalt, Spielen und Hausaufgabenbetreuung. Irgendwann kommt der/die Partner*in nach Hause. Vielleicht vor oder erst nach dem Abendessen? Wer von beiden darf den jetzt 10 min? und wann bekommt der andere die 10 Minuten? Und Zack ist der Tag vorbei, und das Energielevel ziemlich niedrig. Sollte man es aber ab und zu mal doch schaffen mit dem Bewegen, so hält die Bewegung das Energielevel hoch, bzw. höher.

Und: mit Kindern dauert alles länger! Selbst wenn die kleinen noch so schön spielen, wird man in seiner alltäglichen Arbeit ständig unterbrochen.

Ihr merkt, auch wenn man irgendwo bestimmt diese 10 min hat, ob die dann auch wirklich passend sind, muss jeder für sich finden.

 

Warum diese 10 Minuten zwar toll klingen, aber uns in mentalen Stress versetzt

 

10 Minuten am Tag hat jeder – und wenn du es nicht schaffst dir diese 10 Minuten zu nehmen, fühlst du dich schlecht. Weil es doch jeder hat.

Ich habe es sehr oft mit Eltern zu tun. Und auch ich habe Kinder. Gerade wenn diese klein sind und viel Aufmerksamkeit benötigen oder noch nicht allein gelassen werden können.

Solche Aussagen führen unweigerlich zu einem hohen Erwartungsdruck und noch mehr Stress. Denn 10 Minuten klingen halt wenig. Aber wenn man diese 10 Minuten nicht schafft, dann fühlt man sich schlecht.

Der mentale Stress, der auf einem wirkt, ist enorm. Jeder hat doch 10 Minuten am Tag, um sich zu bewegen. Ist doch nur eine Sache der Einstellung. Und Zack fühlst du dich noch schlechter. Weil du die falsche Einstellung und Priorisierung hast. Abends dann der Zwang, eigentlich ist man so erschöpft, aber ich müsste doch jetzt noch 10 Minuten was machen. Denn 10 Minuten hat jeder.

Aber dann willst du auch ein guter Vater/Mutter; Partner*in, Freund*in sein, den Haushalt geregelt bekommen, und noch Karriere machen. Also noch weniger Zeit… Einstellung und Priorisierung.

10 Minuten lohnt sich nicht – gilt nicht als Ausrede.

Ach, wie großartig sind 10 Minuten. Aber auch wie unpraktisch. Das lohnt sich fast gar nicht. Doch, natürlich lohnen sich auch 10 Minuten. Ein Tabata Training – kurze intensive Einheiten mit voller Auslastung sind mega effektiv. Aber, wo? Im Wohnzimmer, in dem dann die Kinder herumspringen? Klar, alles eine Frage der Einstellung und Absprache. Und die Einstellung ist schon so ein entscheidender Punkt. Auch für 10 Minuten spazieren gehen. Selbst diese 10 Minuten entspanntes gehen setzen Hormone und Transmitter frei die unsere Stimmung aufhellen können.

 

Lösungen

Wie wäre es mit 1–2-mal die Woche für eine Stunde die Zeit zu blocken?

Deswegen sind 10 Min am Tag vielleicht nicht so geschickt drin. Aber wie gesagt, es geht nicht darum ausreden zu finden. Den vielleicht fällt es dir viel leichter dir, anstatt 10 min frei zu blocken, gleich eine ganze Stunde in der Woche für dein Sport freizubekommen. Das ist für viele sehr viel leichter und dann auch leichter umsetzbar. Vielleicht funktioniert das auch 2–3-mal die Woche. Vielleicht auch mit deinem Partner oder deiner Partnerin zusammen.

Einstellung und Blickwinkel

Ihr merkt, es geht wieder um Blickwinkel Priorisierung und Einstellung. Aber nicht „du hast die falsche Einstellung“, sondern, wie kannst du deine Einstellung dazu ändern, dass es eine Überzeugung wird. Was bleibt dann auf der Strecke? Und ist diese Veränderung es wert?

Stell dir doch mal ein paar Fragen:

  • Wo möchtest du Gesundheitlich in 2 Jahren stehen? Wo in 10 Jahren?
  • Was glaubst du, wieviel Zeit musst du investieren, um diesen Zustand zu erreichen?
  • An welchem Tag in der Woche/ an welchen Tagen in der Woche könntest du dir etwas Zeit für deine Gesundheit nehmen?
  • Wieviel Zeit wäre „etwas“?
  • Um wieviel Uhr?
  • Was bleibt liegen, wenn du dir diese Zeit nimmst?
  • Wann legst du damit los?

10 Minuten, aber nicht täglich

10 Minuten sind wirklich nicht viel. Und vielleicht hast du ja doch immer mal wieder Zeit dafür! Muss nicht unter Zwang täglich sein. Fang in kleinen Schritten an. Wenn du dann dranbleibst, können Sie immer noch größer werden.

Fazit

10 Minuten sind sinnvoll. Und mit 10 min Intensiven Training kann man viel erreichen. Wer 10 Min oder mehr am Tag findet, ist Maga! Aber mach dich nicht verrückt, dass diese 10 min jeder hat. Suche eine Möglichkeit, die für dich passt. Und wenn 2x 30min besser funktionieren, dann lieber das.